Professor Wolfgang Huber spricht über „Reformation und Wirtschaft“ im Bildungsforum Potsdam

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Im Gespräch mit Luther“, mit der die Landeshauptstadt Potsdam durch das Reformationsjahr begleitet und Teilnehmerinnen und Teilnehmer zum Austausch über historische und aktuelle Bezüge der Reformation anregt, begrüßt Moderatorin Natalie Gommert, Germanistin und Publizistin aus Potsdam, am 15. November 2017, um 19 Uhr, im Bildungsforum Potsdam den Theologen Prof. Wolfgang Huber. Der frühere Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz sowie ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland wird über das Thema „Reformation und Wirtschaft“ sprechen und dazu in Dialog mit Stadtkirchenpfarrer Simon Kuntze sowie dem Publikum treten.

Das Jubiläumsjahr der Reformation geht dem Ende entgegen – 500 Jahre Reformation – und nun? Was bleibt? Die Gespräche im Bildungsforum haben viele Facetten des Wirkens des Reformators und der Reformation betrachtet. Was nun hat die Reformation mit der Wirtschaft zu tun? Martin Luther kritisierte die Kapitalisten seiner Zeit scharf, auch wenn man sie seinerzeit nicht so nannte. Zur Zeit Luthers war der Alltag ökonomisiert. Alles hatte seinen Preis, war käuflich, und das Denken war auf das Geld konzentriert. Ja, sogar das Seelenheil war käuflich. Der Ablasshandel blühte: „Sobald das Geld im Kasten klingt, die Seele in den Himmel springt.“ Mit Zustimmung der Kirche wurde das biblische Zinsverbot aufgeweicht, Bischöfe und Kardinäle, Päpste und Gegenpäpste, Kaiser und Kurfürsten verschuldeten sich bei den wohlhabenden Fuggern, um Ämter und Titel zu kaufen und Kriege zu finanzieren. Dieses Handeln passte nicht zu Luthers Überzeugung, wonach Gottes Gnade jedem Menschen zu Teil wird. Jeder sollte leben und arbeiten, dass es Gott gefällt – egal welchen Standes er war.

Das Thema „Reformation und Wirtschaft“ wurde in die Veranstaltungsreihe unter Bezug auf eine wichtige Publikation des Soziologen Max Weber gewählt. Weber hat 1904 und 1905 zwei Abhandlungen zur Thematik „Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus“ veröffentlicht, die 1920 als Buch erschienen. Es gilt als grundlegendes Werk der Reformationssoziologie.

Prof. Wolfgang Huber, in Potsdam vor allem auch wegen seines Engagements für den Wiederaufbau der Garnisonkirche als Versöhnungszentrum bekannt, ist nicht nur im Jahr des Reformationsjubiläums ein sehr gefragter Autor, Redner und Gesprächspartner. Er hat zu vielen politischen, ethischen und natürlich religiösen Fragen Stellung genommen und bringt sich in aktuelle Debatten ein. Auch Oberbürgermeister Jann Jakobs wird am kommenden Mittwoch dabei sein. Er hat sich den Termin mit Prof. Wolfgang Huber bereits langfristig vorgemerkt. Sein besonderes Interesse am Thema „Reformation und Wirtschaft“ geht auf die intensive Lektüre des Werkes von Max Weber zurück. „Das Thema ‚Stadt trifft Kirche‘ hat Potsdam viele interessante Angebote gemacht. Das Gespräch über ‚Reformation und Wirtschaft‘ ist aktueller denn je“, so Potsdams Stadtoberhaupt.

Die Veranstaltung „Im Gespräch mit Luther“ am Mittwoch, 15. November 2017, 19 Uhr, im Veranstaltungsraum im Erdgeschoss im Bildungsforum Potsdam ist kostenfrei.

Die letzte Veranstaltung der Reihe widmet sich am Mittwoch, 20. Dezember 2017, um 19 Uhr dem Thema „Luther und die Erotik“.

Alle Informationen: www.potsdam.de/stadt-trifft-kirche

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